Muss man sich als Kitaleitung wirklich mit Humor beschäftigen? Hat man nicht einen Beruf mit Kindern und somit einen Alltag voller Humor? Kinder, die sich einen Schuh ans Ohr halten und telefonieren, sich an einem heißen Sommertag mit Wassergläsern zuprosten und sich das Wasser dann über den Kopf schütten. Kita-Fachkräfte, die den Übergang von Realität zu Fantasie bei Kindern immer wieder mit Perspektivwechseln begleiten.
Lassen Sie uns eintauchen in den anspruchs- VOLLEN Alltag einer Kitaleitung und auch die Bereiche beleuchten, bei denen man zum Lachen in den Keller geht: Krankenstand, Elternabende, schwierige Teamgespräche, trockene Fortbildungsthemen.
Kein Mensch würde von sich sagen, er oder sie habe keinen Humor. Und doch hat man es im Alltag mit Menschen zu tun, die nicht lustig sind. Und v. a. mit Situationen in Elternabenden und Teamsitzungen, in denen man sich mehr Leichtigkeit, Perspektivwechsel oder schlicht und ergreifend Aufmerksamkeit wünscht. Vor allem wünscht man sich mehr Schlagfertigkeit bei dummen Sprüchen, z. B. wenn jemand süffisant lächelnd sagt: „Ach Mensch, du arbeitest in der Kita. Na, das bisschen Spielen ist ja kein so schwieriger Job.“
Wir möchten den Bogen spannen, vom täglichen Lacher bis zum bewusst eingesetzten Witz in einem schwierigen Gespräch. Die meisten Menschen glauben, Humor hat man oder hat man nicht. Man wird humorvoll geboren oder flutscht als trockener Zwieback durch den Geburtskanal. Wenn dieser Glaubenssatz stimmen würde, könnten wir Humor überhaupt nicht lernen, verändern oder erweitern, sondern er wäre angeboren. Als Fachkraft in der Begleitung von Kindern wissen Sie jedoch, dass Kinder nachsprechen und nachahmen. So auch den Humor von Erwachsenen in ihrer Umgebung. Humor mag zum Teil vererbt werden. In großen Teilen wird er jedoch sozialisiert, trainiert und nachgeahmt.
Humor ist an die kognitive Entwicklung gekoppelt. Wenn Eltern und Kita-Fachkräfte mit Kindern immer wieder ironisch den Alltag betrachten, dann lernen Kinder Ironie auch schneller, als die Forschung es im Schnitt mit acht bis zwölf Jahren beobachtet. In der pädagogischen Praxis ist es wichtig, zwischen Kindermund und Kinderhumor zu unterscheiden. Natürlich gibt es Kindermund, also Dinge, die Kinder sagen und nicht lustig finden. Aber die mit unserer Erwachsenen-Erfahrung amüsant sind. Wenn man hier auf die Reaktion der Kinder achtet (Mama, das ist nicht lustig), dann kann man auch unterscheiden vom Kinderhumor. Also Dinge, die Kinder sagen und tun und viel Vergnügen am Schalk, Schabernack oder auch am Witz und der Pointe haben.
Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen gibt es drei Humorvoller im Alltag:
- Immer Recht haben wollen
- Sich allzu wichtig nehmen
- 3. Die Dinge zu tragisch nehmen
Nun funktioniert es weder bei Kindern noch unter Fachkräften in stressigen Momenten “sei doch mal locker” oder “Nimm Dich nicht so wichtig“ in den Raum zu rufen. Was funktioniert denn dann?
Tatsächlich immer wieder die einfache Humoreinladung. Also etwas leichtes tun oder sagen und nicht jemanden zur Leichtigkeit auffordern.
Ich komme nach einem intensiven Seminartag hungrig nach Hause. Habe 200 Textnachrichte zu weiteren Dingen des daily Kleinscheiß auf dem Handy. Knurre meine Familie schon vorher via sms an und schreibe, daß ich mich erst zuckern muss, weil ich den ganzen Tag nichts gegessen habe. Als ich zu Hause ankommt, hängt ein Schokobrötchen an der Tür außen dran mit dem Zettel: erst essen, dann reinkommen. Ich betrete schmunzelnd die Wohnung. Wesentlich freundlicher als noch drei Sekunden zuvor. Natürlich habe ich immer noch Hunger. Und wir essen erst zusammen. Danach fangen wir an die tausend Kleinigkeiten zu besprechen. Das hätte auch anders ausgehen können.
Worüber konnten Sie zuletzt schmunzeln? Eine spontaner Situation im Kita-Team? Eine Kindermund-Moment? Ein lustiges Bild im Familienchat?
Mir ist es mir im ersten Schritt wichtig, daß Sie als Mensch, als Führungskraft verstehen, daß Sie immer einen humorvollen Fingerabdruck haben. Sie haben in Ihrer Ursprungsfamilie über Dinge gelacht. Oder den Humor eben verboten bekommen, weil man nun mal aufhört mit dem Quatsch. Manche Menschen haben sehr liebevollen, manche ganz schwarzen Humor. Manche sind schnell und schlagfertig und manche brauchen zwei Stunden, ehe ihnen eine schlagfertige Antwort einfällt.
Ich hatte vor einigen Wochen eine Fachkraft in meinem Humortraining, die zu Beginn sagte: ich melde es nur schon mal an, leider verstehe ich Ironie nicht wirklich gut. Das haben wir bei uns zu Hause nicht gelernt. Das war hilfreich für die Gruppe. Der schönste Moment war dann im Training, als jemand einen Witz machte und sie lachte und ich den Witz nicht gleich verstand.
Humor darf man reflektieren. Humorstile sind wie Kleidungsstile: zu jedem passt etwas ganz eigenes. Und doch gibt es für den Job die ein oder andere Etikette-Regel. Humor hat eine Sozialisierung. In jeder Kita erlebe ich eine eigene Teamdynamik und damit eine bestimmte Humorkultur. Ihr Humor kann eingeschlafen sein oder eine schwierige Phase haben. Wenn Sie mit zu vielen Aufgaben und Lebensereignissen gleichzeitig konfrontiert sind, gehen Sie zum Lachen verständlicherweise in den Keller. Ein Humortraining läd ein, den aktuellen Humor-Konto-Stand zu überprüfen und weitere Einzahlungen vorzunehmen. So das man wieder großzügiger vom Konto abheben kann.
In der Regel managen Sie als Kita-Leitungskraft 3000 Dinge im Job, sind 70 mal nicht in die Luft gegangen, haben 1000 Mal etwas noch mal erklärt. 967 Befindlichkeiten geklärt. Und sind vermutlich auch noch kurz in einer Gruppe eingesprungen, in der heute zwei Fachkräfte fehlen. Wenn man dann nach Hause kommt, ist nicht der nervige Vorwurf des Partners das eigentliche Problem, sondern der gesamte Erschöpfungszustand. Es ist wie ein Luftballon, den man über den Tag nach und nach aufgepumpt hat mit vielen Kleinigkeiten. Und dann sticht jemand mit einer Nadel hinein. Und man platzt. Das kann das eigene Kind zu Hause sein oder die 400. Frage im Job. Der Akku ist leerer. Aber die Aufgaben hören nicht auf.
Durch Humortraining bemühen wir uns, den Ballon gleich von Beginn mit mehr Löchern auszustatten. Leichtigkeit macht durchlässiger. Lässt den Ärger durchlaufen. Nimmt nicht jedes Missgeschick, jeden Vorwurf und jeden Ärger zum Aufblasen mit nach Hause. Humor kann Perspektive wechseln. In Sekundenschnelle. Das ist eine zunehmend wichtigere Eigenschaft für Führungskräfte.
Viel Freude beim humorvollen Experimentieren.