Humorforschung: Ist Humor wirklich trainierbar?

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Die Universität Flensburg hat unsere Humortrainings untersucht.

Gemeinsam mit Tabea Scheel habe ich vor einigen Jahren ein Studiendesign entwickelt. Uns interessierte vor allem, ob Sozialer Humor schnell trainierbar ist und ob unsere Form von Training das Selbstmitgefühl zügig erhöhen kann. Mit Katrin Hansmeier habe ich akribisch Fragebogen ausgeteilt und eingesammelt und wir haben zweitägige, arbeitsbezogene Humortrainings evaluiert und dabei analysiert, inwieweit sich Humorstile, der Einsatz von Humor in der Kommunikation sowie negative Glaubenssätze gegenüber Humor durch ein Training verändern lassen. Auch die Auswirkungen auf Verspieltheit, Selbstmitgefühl, berufliche Selbstwirksamkeit sowie die Irritation der Teilnehmenden haben wir uns angeschaut.

Und das Ergebnis der Universität Flensburg? 💡 Humor lässt sich tatsächlich schon innerhalb von zwei Tagen trainieren – mit Auswirkungen nicht nur auf den Humoreinsatz in der Kommunikation, sondern auch auf das Wohlbefinden durch einen Anstieg der beruflichen Selbstwirksamkeit und eine Abmilderung negativer Komponenten des Selbstmitgefühls am Arbeitsplatz. Auch konnten negative Überzeugungen wie „Humor ist unprofessionell“ hinterfragt und reduziert werden.

Nun wurde diese Studie veröffentlicht: Im Magazin Human Resources Development International

Hier ein Überblick über die Studie:
🙃 Ziel der Studie:

Es wurde die Wirksamkeit von arbeitsbezogenen Humorworkshops hinsichtlich des Humorgebrauchs, der Humorstile und des psychischen Wohlbefindens von Mitarbeitenden untersucht.

🙃 Hintergrund:
Humor im Arbeitskontext kann positive Effekte auf Wohlbefinden, Zusammenarbeit, Stressbewältigung und Leistungsfähigkeit haben.
Negative Humorformen (z. B. aggressiver oder selbstabwertender Humor) sind hingegen mit Erschöpfung und Burnout verbunden. Unser Schwerpunkt ist der Einsatz von Humortechniken und die schnelle Umsetzung im Arbeitsalltag.

🙃 Aufbau und Methode:
Wir haben 29 zweitägige Trainings mit insgesamt 166 Teilnehmenden untersucht (Interventionsgruppe, IG) sowie 58 Personen in der Kontrollgruppe (CG).
Dazu haben wir Daten zu drei Zeitpunkten: vor dem Training (T1), direkt danach (T2), und nach drei Monaten (T3) erhoben.

🙃 Ergebnisse:
1. Reaktionen (Level 1)
Sehr positive Bewertungen des Gruppenerlebnisses.

2. Lernen (Level 2)
Wissen: Die meisten konnten nach dem Training Humorstile besser einsetzen und zuordnen (Hypothese H1 bestätigt).
Fähigkeiten:
Soziale Humorstile konnten schnell und nachhaltig trainiert werden. Die Trainings zu affiliativem und selbstaufbauendem Humor zeigten signifikante, Verbesserungen. Als man kann Humor schnell trainieren.
Humorgebrauch in der Kommunikation sowie Selbstbezug stiegen signifikant an – auch noch nach drei Monaten (H3 bestätigt).
Einstellungen:
Die Negativen Überzeugungen über Humor (z. B. „Humor ist riskant“) nahmen signifikant ab (H4 bestätigt).
Die Berufliche Selbstwirksamkeit stieg an (H6 bestätigt).
Außerdem nahm Selbstmitleid ab, das Selbstmitgefühl stieg. Für uns eine besonders wichtige Erkenntnis.

In der Psychologie und Kommunikation ist der Selbstwert etwas sehr stabiles. Das heißt egal, was Dir ein Training oder Coaching verspricht: Dein Selbstwert ist so schnell nicht veränderbar. Das heißt Dein Selbstbewusstsein ist gar nicht so schnell zu steigern wie Dir mancher weis machen will.

Allerdings ist das Selbstmitgefühl recht einfach zu verbessern. Ein von Prof. Kristin Neff geprägter und erforschter Wert der Persönlichkeit. Es war uns in unserer aktuellen Studie „Effectiveness of work-related humour trainings: humour use, humour styles and well-being“ von Laura Korock, Eva Ullmann und Tabea Scheel sehr wichtig, das Selbstmitgefühl im Zusammenhang mit Humor neu zu untersuchen.

Selbstmitgefühl bedeutet im Gegensatz zu Selbstmitleid, daß Du Deine aktuelle Situation weniger bewertest, Dich weniger isolierst und sorgsamer mit Dir selbst umgehst. Egal ob es gut läuft oder gerade schwierig ist.

Fazit:
🙃 Das zweitägige Humorseminar erwies sich als wirksames Instrument, um:
den positiven Gebrauch von Humor am Arbeitsplatz zu fördern,
Einstellungen zu verändern und
psychosoziale Ressourcen wie Selbstwirksamkeit und Selbstmitgefühl zu stärken.