Romeo und Julia in der Mathe-Vorlesung?

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Stellen Sie sich folgenden Dialog zu Beginn einer Besprechung vor oder einer Mathestunde oder Mathevorlesung:

Romeo: Doch still, was schimmert durch das Fenster dort? Es ist das X und glänzt mir wie die Sonne.
Julia: O Ypsilon! Warum denn Ypsilon? Verleugne deine Achse, lass die Funktionen fahren. Willst Du das nicht, schwör Dich zu meinem Liebsten und ich will länger nicht mehr eine Variable sein.
Romeo: Ich nehme Dich beim Wort. Nenn Liebster mich und ich will die Funktion von Ypsilon nie wieder sein. Ich will fortan Hyperbeln um Dich winden und schwör’n beim heil’gen Cosinus, dass nichts – selbst nicht der Zahlenstrahl – uns fortan trennen kann.
Julia: Mein Ohr trank keine hundert Zahlen noch von diesen Lippen, doch es kennt den Ton. Bist Du nicht Ypsilon und eine abgeleitete Funktion?
Romeo: Der Liebe leichte Primzahl’n trugen mich. Kein steinern Dreisatz kann der Liebe wehren, denn Liebe wagt, was immer Liebe rechnen kann.
Romeo und Julia würden sich jetzt küssen.

Eine Überraschung, eine Überforderung, eine Irritation? Schmunzeln und Lachen entstehen sehr einfach, indem man Dinge zusammenbringt, die nicht zusammengehören. Und diese geschickt miteinander verbindet. Das muss nicht jeder gleich amüsant finden. Eine ausreichende Überraschung für ein wichtiges Thema ist es trotzdem. In diesem Fall ein Shakespeare Klassiker und die Mathematik. Das neue Organigramm für die IT-Anteilung, ein Digitalisierungsthema für das Unternehmen: Nach logischer Präsentation folgt die humorvolle Überraschung. Oder die humorvolle Geschichte sorgt für Aufmerksamkeit und dann folgt die wichtige Diskussion zum neuen Organigramm für den neuen Bereich.

Ein Experte, der die Interaktion mit der Leinwand grandios entwickelt hat, ist Matthew Weathers. Er  ist Mathematik-Professor an der Biola University in Kalifornien. In seinen Unterricht baut ausgefallene oder komische Videos ein: Manchmal unterhält er sich mit seinem Alter-Ego auf der Leinwand oder holt sich Hilfe von ihm (z. B. um einen Fleck auf der Leinwand wegzubekommen, für einen Aprilscherz oder um die abwesenden Studierenden während des Corona-Lockdowns zu unterhalten – Katze und Lichtschwert inklusive).

Wir haben vor ein paar Jahren mit diesem Mathe-Prof und (mittlerweile) YouTube-Star gesprochen. Er findet, bei Humor geht es „um die richtige Mischung. Ich würde sagen, der Inhalt soll ernst sein, aber die Darreichungsform kann immer mit einem Augenzwinkern sein. Man sollte in jede Vorlesung ein bisschen Humor einbauen. Meine Vorlesungen sind 75 Minuten lang. Und ich streue während dieser Zeit absichtlich sechs bis zehn Mal Humor ein. Aber das ist schwer zu beziffern.“

Hier finden Sie das ganze in deutscher Sprache geschriebene Interview.

Und hier geht es zu seinem englischsprachigen YouTube-Kanal.

Er eröffnet mit seinen überraschenden Filminteraktionen auch gerne Technikkongresse. Natürlich startet er ganz unscheinbar mit einem technischen Problem und dann wird es unterhaltsam und inhaltlich, auch wenn man kein Englisch spricht: Technology Conference Jordan

Wie kann man diese Spielform in eigenen Präsentationen umsetzen? Wir zeigen in einem unserer YouTube Videos eine Variante, wie man  sich selbst amüsant in einem Online-Meeting widersprechen kann: Widerspruch

Bild: Cornelsen Akademie Berlin