Humor geht uns leicht von der Hand, wenn das Leben in geordneten Bahnen läuft. Aber Humor kann auch in Krisen und bei Krankheit ein nützliches Instrument sein. Dieser Artikel beleuchtet Humor als Kraftquelle und als dargebotene Hand.
Meine eigene Gesundheit
Manchmal beginnt der erste ungesunde Moment schon morgens beim Blick in den Badezimmerspiegel: „Ich kenn Dich nicht, aber ich wasch Dich trotzdem.“ Nun ist für die meisten von uns das morgendliche Aufstehen nicht der doofe Moment des Tages. Beim Eintreffen in der Praxis meldet sich eine Kollegin krank. Kunden erscheinen nicht zum Termin. Eigentlich müsste man selber auch fitter sein. Vielleicht ist privat etwas auszustehen, ein pubertierendes Kind, eine schwierige Situation mit den Eltern, eine Trennung.
Kurz nach der Geburt meines Kindes stand ich mit dem Kind vor dem Kreissaal, um mich für die tolle Begleitung zu bedanken. Der Kleine weinte. Ein älterer Herr kam vorbei und sagte lächelnd: „Was, wollen Sie das schon reklamieren?“ Ich musste laut lachen. Selbst wenn Dir das nicht passiert ist, wäre es ein schöner Schmunzler in der Elternrunde frischgebackener Mütter und Väter. Humor hält uns gesund, wenn er aktuelle Sorgen, Müdigkeiten und Nervigkeiten verändern kann.
In Zeiten eigener Humorlosigkeit tun uns Mitmenschen gut, die einen einfach zum Lachen bringen. Man darf sich aber auch selbst humorvoll schützen. Humor, der im Selbstmitleid badet, kann man von Humor, der Selbstmitgefühl ermöglicht, unterscheiden. Die Psychologin Kristin Neff[1] beschreibt Selbstmitgefühl als die Fähigkeit, freundlich mit sich selber zu sein und sich gedanklich mit anderen zu verbinden. Sie unterscheidet Selbstmitgefühl klar von Selbstmitleid. Selbstmitleid bedeutet, in der Krise zu versinken, sich zu isolieren und von sich selbst zu fordern, dass man in der Krise stärker sein müsste. Humorvolles Selbstmitgefühl bedeutet, eigene Schwächen liebevoll zu beschreiben, anstatt sie zu bewerten.
Hängen Sie den Spiegel im Bad ab, schreiben „Du siehst gut aus“ an die Wand und starten mit einem Grinsen in den Tag. Das tut Ihrer Gesundheit gut.
Gesundheit meiner Kunden
Wenn die Gesundheit angegriffen ist, steckt man oft Gedankenstrudeln fest und sieht kaum Humor. Verständlicherweise ist einem selten zum Lachen zumute. Hier können wir beschämenden Humor vorsichtiger dosieren als in kraftvollen Zeiten. Das ist eine Unterstützung der eigenen Gesund. Zu viel aggressiver Humor in schlechten Zeiten kann Erkrankung verstärken.
Gesundheit meines Teams
Auch im Team gibt es sehr unterschiedliche Formen von Gesundheit. Ein Personalwechsel, Abwesenheit wegen Krankheit oder Fachkräftemangel können das gesamte Team vor große Herausforderungen stellen. Auch hier darf der Humor das Team aus dem Kakao wieder herausziehen. Am ungefährlichsten ist auch in stressigen Team-Zeiten der Soziale Humor.
Manchmal kann auch Aggressiver Humor dabei helfen, sich von schwierigen Momenten zu distanzieren. Galgenhumor kann ein nützliches Ventil sein, um in einer Krise Distanz zwischen dem Team und einem Problem zu schaffen.
Mit der richtigen, gut durchdachten Humordosis, können Sie präventiv und akut etwas für Ihre Gesundheit tun, Sie sich selbst und andere sogar empathisch und humorvoll durch Krisen begleiten und Sie können bewusst durch Teamkrisen im Unternehmen navigieren. Humor könnte längst fester Bestandteil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements sein. Denn er hilft uns immer wieder nicht wahnsinnig zu werden, wenn zu viele Ambiguitäten, also Widersprüche, zusammen kommen.
