Ein Notfallkoffer für Humor?

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Wäre es nicht charmant, wenn man bei akuter Humorlosigkeit Erste Hilfe leisten könnte? Aber wie funktioniert ansteckender Humor, wenn „Jetzt sei doch mal humorvoll“ nie hilft, sondern sofort eskaliert? Wann hat Dir jemand aus einem humorlosen Notfall „heraus“ geholfen? Hier eine kurze Anleitung für den Notfall – zum Ausdrucken und Aufhängen im Büro oder am Familienkühlschrank.

1. Hilfe Übertreiben:

Für Leichtigkeit und Humor braucht es jemanden, der die Perspektive wechselt und nicht alles zum Drama macht. Einen Vorwurf oder eine pauschale Aussage nicht sofort als Angriff sieht und Kommentare zur Ordnung, zu Unterschieden in Institutionen oder zur politischen Lage auch einmal stehen lassen kann.

Nahezu jedes Angebot im Alltag eignet sich zur Übertreibung: eine Stärke, eine Schwäche, eine Offensichtlichkeit. Ich bin zum Beispiel eine große und kräftige Frau. Mein Körpergewicht übertreibe ich sehr gerne: Als Rednerin ist es wichtig, nicht übersehen zu werden. Da muss ich bei meiner Ernährung schon drauf achten.

Natürlich kann es auch die Stimmung oder der Ort sein. Bin ich unsicher, ob die Beziehung vertraut genug für einen Witz auf Kosten des Teams ist, steht mir immer aber meine eigene Person als bestes Humormaterial zur Verfügung.

1. Hilfe – Erfassen, was darunter liegt:

Du wünschst Dir Stabilität im Team und Logik in der Politik. Die Welt macht Dir manchmal Angst. Ein bestimmtes Chaos macht Dich wahnsinnig.

Ich erfasse, was Du sagst, und erfrage oft humorvoll, was darunter liegt. Ich achte auf das, was Du nicht sagst. Denn Dein Körper, Deine Mimik und Deine Gestik sind oft sehr gesprächig, wie Charlotte Cordes es gerne formuliert.

Die Übertreibung dient dann der Aufmerksamkeit und Deeskalation – zugewandt und wohlwollend. Übertrieben auf den Punkt gebracht, hat so mancher lieber in den Spiegel geschaut, statt sich vom Problem wegzudrehen. Übertreibung ist lustig und macht deutlich. So lässt sich das Problem besser verstehen und Widerstand in nützliche Informationen verwandeln.

1. Hilfe Unsinniges zustimmen:

Beim unsinnigen Zustimmen stimmt man dem Gegenüber mehr zu, als ihm lieb ist – mit einer wohlwollenden und freundlichen Haltung. Ziel ist das liebevolle Karikieren des Gegenübers. Die Psychologin Eleonore Höfner beschreibt es mit der LKW-Haltung: liebevolles Karikieren der Weltsicht.

Du bist zu pingelig.
 Stimmt, meine Erbsen sind immer zweimal abgezählt.

Wie siehst Du denn aus?
 Du hast recht, ich bin ein Model für Vorher-Fotos.

Je nach Betonung können diese Antworten beleidigt, schnippisch oder pampig klingen. Man kann sie jedoch auch freundlich, zugewandt und liebevoll sagen.

Stimmt man mit einem Schmunzeln unsinnig zu, wird es nicht zynisch oder ätzend. Die Technik erzeugt eine Überraschung und verändert sofort das Thema und die Stimmung im Raum. Sie funktioniert, wenn man sich vorstellen kann, die Weltsicht seiner Mitmenschen liebevoll karikieren zu dürfen.